Zu spät für Wandel oder Veränderung?

FYP: Ein Problem angehen oder einen Wandel zulassen ist immer eine sehr einschneidende Entscheidung. Wann und warum sollte man so etwas wagen?

PMB: Weil Sie immer einen entscheidenden Schritt weiterkommen – entweder persönlich und/oder auch als Führungskraft und Manager.

FYP: Da gibt es aber vielleicht Erkenntnisse, die will ich gar nicht zulassen oder die Auswirkungen sind zu groß.

PMB: Mit einem Business- oder persönlichen Performance Mentor zu arbeiten heißt ja nicht, dass Sie ein Problem suchen, um einen Wandel zu vollziehen, der ihnen nicht behagt. Ich stoße ja keine Veränderungsprozesse an, für die es keine valide Grundlage gibt.

FYP: Wie kann ich denn dann sicher sein, dass mir das nicht über den Kopf wächst?

PMB: Zuerst einmal gibt es ja einen Grund, warum wir zusammen sitzen. Sie haben nämlich als Mensch ein sehr gutes Gefühl, wann Sie eine Fragestellung zulassen und wann nicht. Wenn Sie mit mir sprechen wollen, dann haben Sie ja längst zugelassen, dass es eine Notwendigkeit gibt irgendetwas neu zu beleuchten und ggf. zu sortieren.

FYP: Aber zu diesem Zeitpunkt ist es vielleicht noch ganz klein und angenehm – wie wird es dann, wenn Sie mit mir arbeiten?

PMB: Noch viel angenehmer! Schauen Sie: Sie verlieren immer, wenn Sie sich nicht damit beschäftigen, und Sie gewinnen immer, wenn Sie es tun. Eine Fragestellung oder ein Problem behandeln heißt ja nicht zwingend, einen massiven Wandel vollziehen, es kann auch heißen, dass sie die Ausgangsfrage neu einordnen und aus der Hypothese etwas ändern zu wollen, eine Erkenntnis wird, dass es besser ist, nur wenig oder nichts zu ändern. Und schon haben Sie etwas gewonnen.

FYP: Gewonnen vielleicht, aber geändert hat sich trotzdem nichts.

PMB: Das ist ja auch nicht zwingend das Ziel. Änderung und Wandel bedeutet auch Ihre Einstellung oder Sicht weiter zu entwickeln. Ich stelle die Balance in den Mittelpunkt. Wenn Sie ein Thema derart beschäftigt, dass Sie sich die Zeit nehmen wollen, es mit mir gemeinsam anzugehen, dann ist es kein irrelevantes Thema in Ihrem persönlichen Wertesystem. Dann beschäftigt Sie das Thema intensiv und Sie fühlen sich damit nicht ganz wohl. Die entsprechenden Fragen und Bilder tauchen immer wieder vor Ihrem inneren Auge auf und Sie suchen nach Stabilität, Halt und einer Handlungsoption. In jedem Fall sind Sie solange damit belastet, bis Sie das Thema sauber verortet und entweder durch Änderung Ihrer Haltung oder durch konkretes Handeln neu eingeordnet haben. Also sind Sie zwingend Verlierer, wenn Sie ein Thema nicht in absehbarer Zeit für sich geordnet haben.

FYP: Ich will aber doch nicht mit jedem Problem zu einem Mentor.

PMB: Richtig – sonst würde ich auch ständig bei einem Mentor oder Coach sitzen. Bitte – ich möchte das Leben nicht verproblematisieren. Ich habe auch jeden Tag eine Menge Probleme und ungelöste Fragestellungen. Aber solange diese in meinem Handlungs- und Lösungsraum liegen, ich also in der Lage bin, durch die normale Reflektion mit mir und Freunden oder Kollegen genügend Antworten und Handlungsoptionen zu finden, damit der Schweregrad nicht immer belastender wird, komme ich gut mit mir klar. Wenn diese Balance aber in Gefahr ist, wähle ich ebenfalls andere Techniken und lasse mich unterstützen.

FYP: Sie haben jetzt schon zweimal das Wort Handlungsoptionen benutzt – ist das besonders wichtig?

PMB: Handlungsoptionen sind der Kern der Gewinnerstraße, von der ich eben gesprochen habe. Sobald die Anzahl Ihrer Handlungsoptionen steigt, gewinnen Sie und solange die Zahl der Handlungsoptionen gering ist, ist die Wahrscheinlichkeit zu verlieren, unzufrieden und gefühlt nicht erfolgreich zu sein, hoch.

FYP: Das erklärt noch nicht genau, was Sie mit Handlungsoptionen meinen.

PMB: Es gibt zwei wichtige Schritte in meiner Arbeit. Der erste Schritt ist der Erkenntnisgewinn, also das Verstehen der Mechanik und die Transparenz in den Wirkzusammenhängen. Ein einfaches Beispiel: „Meine Partner oder Chef oder Kollege nervt“ ist eine situative Wertung von Ihnen, aber keine ausreichende Erkenntnis um zu handeln – da muss dann Fleisch an den Knochen und die dahinter liegenden Zusammenhänge sind meist komplexer und vielschichtiger als gedacht – darum sitzt mein Gesprächspartner ja auch bei mir. Wenn wir das haben, dann geht es um die Handlungsoptionen. Die sind vielfältig und meist hat mein Gegenüber nur einige wenige, die er in seinem Leben mehr oder weniger erfolgreich angewendet hat. Wir suchen daher ganz gezielt auch nach neuen Optionen, damit er oder sie aus der Sackgasse seines oder ihres Handelns rauskommt. Ich will, dass Menschen handlungsfähig sind und das steigt mit der Anzahl guter Optionen.

FYP: Dann dreht sich viel um Reflektion?

PMB: Ja, das ist ein ganz wesentlicher Teil. Ich kann bei der Reflektion in einer Art unterstützen, wie es ein Freund, Partner, Kollege oder Chef nicht kann. Ich bin unparteilich – ich mag z.B. Ihren Partner oder Chef nicht besonders, weil ich ihn gar nicht kenne. Also bin ich in jedem Fall ganz bei Ihnen und meine Erfahrung und methodische Kompetenz wird ausschließlich Ihnen zu teil.

FYP: Reflektion ist aber vermutlich nicht alles, wenn Sie in eine Problemstellung eindringen.

Reflektion alleine genügt nicht. Ich wecke vor allem das Interesse an neuen Blickwinkeln und wir versuchen andere Hypothesen zu nutzen. Damit bekommt mein Gesprächspartner in jedem Fall eine neue Sicht – nicht meine Sicht, sondern er gewinnt neue Sichten durch unserer Zusammenarbeit. Er wird in Teilen zum Beobachter seiner eigenen Situation und hat die Chance mit Hilfe dieser alternativen Perspektiven eine neue Bewertung vorzunehmen und seine Handlungsoptionen neu zu bewerten. Und das ganze, ohne dass es ihn aus der Bahn wirft.

FYP: Aus der Bahn werfen ist ein gutes Stichwort. Wie verhindern Sie das?

PMB: Aus der Bahn geworfen werden bedeutet ja, dass Sie rausfliegen, also vom Kurs abkommen und crashen. Ich bin ja in meiner Arbeit auch der Airbag, der den Crash verhindert. Wenn Sie schon lange an einem Problem knabbern und es sich über die Zeit eher größer und wichtiger anfühlt, dann steigt das Crashrisiko ganz automatisch. Hier kann der erste richtige Schritt darin liegen, dass wir noch gar nicht an das eigentliche Thema herangehen, sondern vielleicht erst einmal einige Voraussetzungen schaffen, damit Sie Raum und Platz haben, auch geistig das Kernthema anzugehen. Dieser erste Schritt ist ein Airbag – ich verschaffe meinen Gesprächspartnern damit Zeit und Raum, damit es keinen Crash gibt.

FYP: Ich fasse mal zusammen: Es ist also nie falsch, ein Problem anzugehen.

PMB: Ganz genau. Die Lösung und die genutzten Handlungsoptionen sind immer die des Einzelnen. Großer Druck und Schmerz bedeutet die Offenheit für große Änderungen, geringerer Druck und weniger Schmerz zieht meist kleine Anpassungen nach sich. Es gibt also keinen unangemessenen oder zu große Wandel. Übrigens: Eine wirklich elegante Situation ist es, wenn meine Gesprächspartner ihre Probleme so neu verortet haben, dass es einfach keine wesentliche Rolle mehr in ihrem Wertekanon spielt. Wozu an etwas drehen, das gar nicht wichtig ist. Das ist ebenfalls eine wertvolle Erkenntnis.

Peter Bickel

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