Was ist Performance Mentoring?

FYP: Was ist Performance Mentoring?

PMB: Einfach und wirksam die eigenen Ziele erreichen, also das ganz persönliche Zielprogramm. Wir klären dabei vor allem die Frage, wie Ihre Ziele und Bedürfnisse mit der Energie und den Fähigkeiten, die Sie einsetzen wollen oder können, zu erreichen sind. Privat und beruflich trenne ich dabei nicht – Performance baut auf der ganzen Person auf.

FYP: Wie ist die Idee entstanden, Performance Mentoring zu institutionalisieren?

PMB: An einem bestimmten Punkt in meiner Konzernarbeit als Manager habe ich verstanden, was meinen eigenen Erfolg ausmacht: Es war die spezielle Performance meiner Mitarbeiter. Jeder einzelne hat immer seine Grenzen gesprengt. Schon nach kurzer Zeit musste ich sie eher bremsen als anfeuern, und sie haben alle überdurchschnittliche Entwicklungen gemacht.

FYP: Was ist das Geheimnis?

PMB: Ich mache Menschen groß. Ich will sehen, wie sie wachsen und ihr Potential entfalten. Ich höre ihnen zu und höre dabei auch die Dinge, die sie nicht sagen. Daraus und auf der Basis meiner Kenntnisse darüber, wie Organisationen und Geschäftsmodelle im Detail funktionieren leite ich ab, wie ein Ziel oder Plan erreicht werden kann. Das überführe ich dann mit meinem Gesprächspartner in seine persönliche und berufliche Entwicklung.

FYP: Kommt es dabei in erster Linie auf das Potential jedes Einzelnen an?

PMB: Potential ist einfach eine hinreichende Bedingung. Sonst hätte jemand nicht die Position oder den Job, den er hat. Darin alleine besteht keinerlei Differenzierungsmerkmal gegenüber anderen, fachlich ebenbürtigen Kollegen. Wichtige Karriereentscheidungen oder Beförderungen sind keinesfalls primär vom fachlichen Knowhow geprägt. Die meisten Kandidaten sind doch heute alle gut! Der echte Erfolg hängt von der Ausschöpfung der Persönlichkeit ab. Diese Trigger entdecke, wecke und kanalisiere ich in meiner Arbeit.

FYP: Nutzen Sie dazu eine spezielle anerkannte Methode?

PMB: Ganz ehrlich: Davon halte ich gar nichts. Die Literatur zu den verschiedensten Methoden ist genauso umfangreich, wie wenig hilfreich. Mir ist das alles zu theoretisch. Ich schaue mir mein Gegenüber als Persönlichkeit und sein berufliches Ökosystem ganz genau an. Und dann arbeiten wir gemeinsam daran herauszufinden, welcher Anzug oder welches Kostüm ihm oder ihr am besten passt und ziehen es dann auch an.

FYP: Sind die beruflichen Ökosysteme nicht zu vielfältig, um so zu arbeiten?

PMB: Nein, keinesfalls! Dahinter steckt eine Mechanik – ich nenne sie gerne die „Mechanik des Lebens“. Persönlichkeit, Fähigkeiten, Lebensweg, Erwartungen, Eitelkeiten usw. prägen den Menschen – die Balance ist verschieden, die Grundmechanik immer ähnlich. So ist es auch mit den beruflichen Umfeldern – Unternehmen und die Menschen, die sich darin bewegen, folgen einer stets ähnlichen Mechanik und die ist übertragbar.

FYP: Wie ist Ihre Herangehensweise?

PMB: Ich bin vor allen Dingen schonungslos, ehrlich und offen. Ich bin nicht der beste Freund, der sagt, dass das Jackett toll sitzt, auch wenn es aus allen Nähten platzt. Die meisten sind in ihrem eigenen privaten und beruflichen Umfeld nicht auf der Suche nach einer ehrlichen Meinung, sondern nach Schicksalsgenossen. Hier komme ich ins Spiel und sorge vor allen Dingen dafür, dass der Blick endlich auf sich selbst gerichtet wird und nicht bei den anderen und den Umständen verhaftet bleibt.

FYP: Heißt das, dass die Arbeit mit einem Mentor oder Coach unvermeidbar ist?

PMB: Wenn es Ihnen wirklich um Erfolg – beruflich wie persönlich – geht: Absolut ja! Wenn Sie Ihre eigene Performance steigern wollen, wenn Sie die Energieräuber in ihrem Umfeld identifizieren und eliminieren wollen, dann geht es nur so. Stellen Sie sich doch mal drei Jahre ohne Golftrainer auf die Driving Range! Damit wird sich Ihr Golfspiel nicht wesentlich verbessern. Wenn Sie aber vom perfekten Schwung und einem Single Handicap träumen, dann nehmen Sie sich einen guten Trainer und der ist wohl nicht Ihr Chef, Ihr Partner oder Ihr bester Freund.

FYP: Performance Mentoring ist also wie ein gutes Training?

PMB: Es ist noch mehr: Es bedeutet konsequentes Arbeiten unter Anleitung und mit einem extrem persönlichen Ziel- und Trainingsplan. Das Performance Mentoring lebt von der Reflektion und der Analyse – es ist wie Videoanalyse beim Sporttraining. Nicht das Gefühlte zählt, sondern das, was wirklich passiert, und dafür braucht es präzise Reflektion und Diskussion sowie passende Impulse für die Anpassungen.

FYP: Sie sprachen eben von Energieräubern. Wer oder was ist das?

PMB: Die sperren Sie bitte jeden Tag weg – in den dunkelsten Keller. Energieräuber lauern überall, und meist bemerken wir sie gar nicht. Sie lauern in unserer Umgebung, aber noch viel mehr in unserem eigenen Tun und Denken. Am Ende stellen wir immer wieder fest, dass schon wieder ein Monat, ein Jahr vergangen ist und wir wieder nichts von dem erreicht haben, wovon wir geträumt oder was wir uns vorgenommen haben. Die meisten, mit denen ich spreche, bemerken auf einmal, dass ihnen das an vielen einzelnen Arbeitstagen so ergeht und sie, ohne zu wissen warum, frustriert und unglücklich in ihren Feierabend gehen.

FYP: Ist Performance Mentoring eher ein Marathon oder ein Sprint?

PMB: Ich wünschte, es wäre ein Sprint, weil ich extrem zielorientiert bin. Je nach Gesprächspartner ist es ein Mittel- oder Langstreckenlauf. Eine vernünftige Analyse, unterstützt von einigen ganz pragmatischen Tests, ist notwendig, damit ich sein gesamtes Gefüge richtig einschätzen kann und er ebenfalls eine erste „Verprobung“ seiner Persönlichkeit bekommt. Dann gehe ich aber extrem pragmatisch vor. Genauso schule ich, stets den Blick auf das Wesentliche zu richten.

Heute wird uns ständig suggeriert, dass Komplexität besonders wertvoll ist. Lösen Sie eine komplizierte Aufgabe und Sie sind der Held! Machen Sie doch lieber einen Vorschlag, wie die Aufgabe erst gar nicht notwendig wird. Dabei werden Sie natürlich mit Bedenkenträgern und Energieräubern zu kämpfen haben. Wenn es aber ein Punkt auf Ihrem Zielprogramm ist, dann gehen Sie das an.

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Peter Bickel